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  • Camper-Boiler smart steuern: Shelly, Victron & Node-RED

    Ein elektrischer Boiler im Camper hat einen entscheidenden Vorteil: Strom lässt sich ziemlich einfach steuern.

    Statt unseren 24-V-Boiler einfach bei Bedarf einzuschalten, haben wir ihn deshalb in Muckis Energiesystem integriert. Ein Shelly 1 Gen4 übernimmt zusammen mit einem Temperatursensor die lokale Steuerung. Der Victron Cerbo GX kennt gleichzeitig Batteriestand, Solarleistung und aktuelle Verbraucher. Über Node-RED werden diese Informationen miteinander verknüpft.

    Das Ergebnis: Der Boiler heizt bevorzugt dann, wenn ohnehin überschüssige Energie vorhanden ist.

    Damit wird aus einem relativ großen Stromverbraucher eine Art thermischer Energiespeicher.

    Warum wir überhaupt einen elektrischen Boiler eingebaut haben und weshalb ich die Kombination aus 9 Litern und rein elektrischer Erwärmung heute trotzdem anders planen würde, habe ich hier ausführlich beschrieben:

    → Elektrischer Boiler im Camper: Unsere Erfahrungen mit 24 V und Solar

    Unser Warmwasser-Setup in Mucki

    Verbaut ist ein 9-Liter-Pundmann-Boiler mit zwei 24-V-Heizstäben à 400 Watt.

    Ein einzelner Heizstab benötigt bei 24 Volt rechnerisch ungefähr 16,7 Ampere. Werden beide Heizstäbe gleichzeitig betrieben, sind es rund 33 Ampere.

    Damit ist schnell klar: Der eigentliche Heizstrom gehört nicht direkt über einen kleinen Smart-Home-Schalter geführt.

    Bei uns besteht die Steuerung deshalb grundsätzlich aus zwei Ebenen:

    • Der Shelly entscheidet, ob geheizt werden soll.
    • Ein entsprechend dimensioniertes 24-V-Relais schaltet den Heizstrom.

    Zusätzlich messen wir die Temperatur direkt am Boiler.

    Die Komponenten unserer Boilersteuerung

    In unserem Aufbau kommen im Wesentlichen folgende Komponenten zum Einsatz:

    • Shelly 1 Gen4
    • Shelly Plus Add-on
    • DS18B20-Temperatursensor
    • 24-V-Kfz-Relais
    • Victron Cerbo GX
    • Node-RED auf Venus OS
    • thermostatisches Mischventil als Verbrühschutz

    Der Shelly übernimmt dabei nicht die Aufgabe einer Sicherung oder eines unabhängigen Übertemperaturschutzes. Diese Funktionen müssen elektrisch beziehungsweise mechanisch separat gewährleistet bleiben.

    Auch ein mit „40 A“ beschriftetes Relais sollte nicht allein anhand dieser Zahl ausgewählt werden. Entscheidend sind unter anderem die tatsächliche DC-Dauerstromfreigabe, die verwendeten Kontakte, Kabelquerschnitte, Absicherung und Einbausituation.

    Temperatur messen mit dem DS18B20

    Der DS18B20 liefert uns die aktuelle Temperatur des Boilers.

    Damit lässt sich Warmwasser deutlich bedarfsgerechter erzeugen als mit einem einfachen Ein-/Aus-Schalter.

    Wenn wir beispielsweise nur etwas warmes Wasser zum Abwaschen benötigen, muss der Boiler nicht zwangsläufig auf seine maximale Temperatur gebracht werden.

    Für eine möglichst große Warmwasserreserve kann dagegen stärker aufgeheizt werden.

    Gerade bei einem relativ großen 9-Liter-Boiler ist diese Temperatursteuerung praktisch: Es macht energetisch einen erheblichen Unterschied, ob neun Liter Wasser nur moderat oder um 40 bis 50 Kelvin erwärmt werden.

    Hohe Boilertemperatur, mehr nutzbares Warmwasser

    Eine hohe Speichertemperatur hat allerdings auch einen Vorteil.

    Das Wasser wird später an einem thermostatischen Mischventil mit kaltem Wasser vermischt. Aus beispielsweise neun Litern sehr heißem Wasser können dadurch deutlich mehr als neun Liter Wasser mit angenehmer Duschtemperatur entstehen.

    Das Mischventil übernimmt gleichzeitig eine wichtige Schutzfunktion: An Dusche und Wasserhahn soll unabhängig von der Speichertemperatur nur die eingestellte Mischtemperatur ankommen.

    Bei uns lässt sich diese beispielsweise im Bereich einer angenehmen Duschtemperatur einstellen.

    Warum der Victron Cerbo GX ins Spiel kommt

    Bis hierhin wäre die Steuerung noch relativ einfach: Temperatur messen, Boiler einschalten, Zieltemperatur erreichen, Boiler ausschalten.

    Spannend wird das System erst durch die Daten des Victron Cerbo GX.

    Der Cerbo weiß unter anderem:

    • wie voll die Aufbaubatterie ist,
    • wie viel Solarleistung gerade erzeugt wird,
    • ob die Batterie geladen oder entladen wird,
    • wie viel Leistung andere Verbraucher gerade benötigen.

    Über Node-RED können wir daraus Regeln erstellen, die entscheiden, wann Warmwasser energetisch sinnvoll ist.

    Unsere PV-Überschusslogik

    Die Grundidee ist einfach:

    Die Batterie hat Vorrang. Erst wenn sie praktisch voll ist, darf überschüssige Solarenergie in Warmwasser umgewandelt werden.

    Unsere aktuelle Logik startet die automatische Warmwasserbereitung ungefähr bei:

    • 98 % SOC der Aufbaubatterie
    • und gleichzeitig mehr als ungefähr 100 Watt verfügbarer PV-Leistung.

    Der Boiler wird anschließend wieder ausgeschaltet, wenn der Batteriestand unter ungefähr 95 % SOC fällt.

    Durch diese Hysterese schaltet das System nicht ständig direkt an der gleichen SOC-Grenze ein und wieder aus.

    Große Verbraucher haben Vorrang

    Mucki besitzt neben dem Boiler noch einige weitere leistungsstarke elektrische Verbraucher.

    Dazu gehören beispielsweise Kochfeld und Backofen.

    Deshalb berücksichtigt Node-RED nicht nur den SOC, sondern auch die aktuelle Batterieleistung.

    Wenn plötzlich ein großer Verbraucher eingeschaltet wird und mehr als ungefähr 1.000 Watt aus der Batterie entnommen werden, pausiert die automatische Boilerheizung.

    Dadurch konkurriert Warmwasser nicht unnötig mit Verbrauchern, die wir in diesem Moment tatsächlich benötigen.

    Ist die hohe Last wieder verschwunden und stimmen die übrigen Bedingungen weiterhin, kann die Warmwasserbereitung später erneut freigegeben werden.

    Warum 98 Prozent und nicht einfach 100 Prozent?

    Würde der Boiler erst exakt bei 100 % SOC eingeschaltet, könnte ein großer Teil des nutzbaren Solarüberschusses verloren gehen.

    Andersherum möchten wir die Batterie aber auch nicht dauerhaft irgendwo knapp unterhalb einer vollständigen Ladung halten.

    Deshalb beginnt unsere Überschussnutzung bereits bei ungefähr 98 %, wird aber von einer zusätzlichen Regel überwacht.

    Regelmäßige Vollladung hat Vorrang

    Wenn die Batterie über längere Zeit nicht vollständig geladen wurde, deaktiviert Node-RED die PV-Überschussfunktion.

    Bei unserem System passiert das nach ungefähr 21 Tagen ohne vollständige Ladung.

    Der Boiler darf dann nicht länger Solarüberschuss abgreifen. Die gesamte verfügbare Energie geht zunächst in die Batterie.

    Sobald 100 % SOC erreicht wurden, bleibt die Warmwasserautomatik noch ungefähr zwei weitere Stunden gesperrt.

    Damit bekommt das Batteriesystem Zeit für die Ladephase bei hohem SOC und den Zellenausgleich.

    Erst danach wird die Überschussfunktion wieder freigegeben.

    Der Boiler wird zum Energiespeicher

    Der interessante Gedanke hinter der ganzen Automatisierung ist für mich weniger der smarte Schalter selbst.

    Entscheidend ist, dass wir überschüssige Energie nicht mehr zwangsläufig elektrisch speichern müssen.

    Ist die Batterie bereits voll, kann zusätzliche Solarenergie stattdessen in Wärme umgewandelt werden.

    Ein vollständig aufgeheizter Boiler enthält bei unserem 9-Liter-System grob eine halbe Kilowattstunde Wärmeenergie zusätzlich zum kalten Wasser.

    Diese Energie steht später zum Duschen oder Abwaschen zur Verfügung.

    Der Boiler funktioniert damit im übertragenen Sinn wie ein kleiner thermischer Akku.

    545 Wp auf dem Dach plus 400-Wp-Faltpanel

    Fest auf Muckis Dach sind 545 Wp Solarleistung installiert.

    Bei längeren Standzeiten können wir zusätzlich ein 400-Wp-Faltpanel aufstellen.

    Unter guten Bedingungen stehen damit insgesamt bis zu 945 Wp installierte PV-Leistung zur Verfügung.

    Gerade im Sommer funktioniert die Überschusslogik deshalb sehr gut.

    Die Batterie erreicht ihren hohen Ladezustand und der Boiler bekommt anschließend Energie, die wir zu diesem Zeitpunkt nicht mehr sinnvoll in der Batterie speichern können.

    Im Herbst verändert sich das System

    Im Herbst passiert allerdings genau das Gegenteil.

    Die Tage werden kürzer, der Sonnenstand niedriger und der Solarertrag sinkt. Gleichzeitig steigt der Wunsch nach warmem Wasser.

    Dann bekommt unsere Regelung eine andere Aufgabe: Sie muss nicht mehr möglichst viel überschüssige Energie verwerten, sondern verhindern, dass Komfortverbraucher die Batterie unnötig leeren.

    Genau deshalb finde ich eine dynamische Steuerung sinnvoller als einen Boiler, der einfach nach einem festen Zeitplan eingeschaltet wird.

    Auch Landstrom lässt sich automatisieren

    Das gleiche Prinzip funktioniert mit Landstrom.

    Wenn der Camper an einer Steckdose hängt, kann zunächst die Batterie vollständig geladen werden.

    Danach wird zusätzliche Energie verwendet, um den Boiler aufzuheizen.

    Beim Abziehen des Landstroms starten wir dadurch nicht nur mit voller Batterie, sondern zusätzlich mit einem Speicher voll heißem Wasser.

    Bei unserem Reisestil kommt Landstrom allerdings vergleichsweise selten vor.

    Automatik und manuelle Steuerung schließen sich nicht aus

    Eine wichtige Erkenntnis aus dem Ausbau: Eine gute Automatisierung sollte den manuellen Betrieb nicht komplizierter machen.

    Wenn wir warmes Wasser benötigen, möchten wir nicht erst darauf warten, dass die Sonne scheint und alle Bedingungen der PV-Automatik erfüllt sind.

    Deshalb unterscheiden wir grundsätzlich zwischen einer automatischen Überschussfunktion und bewusst angeforderter Warmwasserbereitung.

    Solarüberschuss bedeutet: Warmwasser entsteht dann, wenn die Energie ohnehin vorhanden ist.

    Manuelles Aufheizen bedeutet dagegen: Wir entscheiden bewusst, dass uns Warmwasser gerade wichtiger ist als die dafür benötigte elektrische Energie.

    Diese Trennung macht das System im Alltag deutlich verständlicher.

    Was ich heute anders planen würde

    Mit der Steuerung selbst bin ich sehr zufrieden.

    Sie zeigt aber gleichzeitig das grundsätzliche Problem unseres Warmwassersystems: Wir verwenden relativ viel technische Intelligenz, um einen großen elektrischen Verbraucher möglichst geschickt in unser Energiesystem einzubinden.

    Bei einem neuen Ausbau würde ich deshalb wahrscheinlich weiterhin eine elektrische Heizpatrone vorsehen – aber zusätzlich eine zweite Wärmequelle nutzen.

    Im Sommer könnte der Boiler weiterhin automatisch Solarüberschuss aufnehmen.

    Im Winter könnte dagegen die ohnehin laufende Standheizung oder eine andere Wärmequelle die Warmwasserbereitung übernehmen.

    Die Automatisierung würde dadurch nicht überflüssig. Im Gegenteil: Sie könnte jeweils entscheiden, welche Energiequelle gerade am sinnvollsten ist.

    Fazit: Warmwasser dann erzeugen, wenn Energie verfügbar ist

    Unser elektrischer Boiler ist ein gutes Beispiel dafür, was ich an einem intelligenten Camper-Energiesystem spannend finde.

    Es geht nicht darum, möglichst viele Geräte mit einer App bedienen zu können.

    Die Technik soll im Hintergrund Entscheidungen übernehmen, die wir sonst ständig selbst treffen müssten.

    Der Cerbo kennt den Zustand des Energiesystems, Node-RED verarbeitet die Informationen und der Shelly setzt die Entscheidung am Boiler um.

    Dadurch wird Warmwasser bevorzugt genau dann produziert, wenn die Energie dafür ohnehin vorhanden ist.

    Und wenn die Energie knapp wird, hat die Batterie automatisch Vorrang.

    Für mich ist genau das der interessante Teil eines smarten Camperausbaus: Technik, die nicht beschäftigt, sondern unauffällig dafür sorgt, dass unterwegs mehr wie zuhause funktioniert.

  • Backofen im Camper: ein kleiner Luxus, den wir nicht mehr missen wollen

    Nach einer langen Skitour zurück in den Camper kommen und schon beim Öffnen der Tür den Geruch von frisch gebackenem Bauernbrot in der Nase haben: Genau solche Momente machen aus einem Fahrzeug für uns mehr als nur einen Camper – ein kleines Nest auf Rädern.

    Carrot Cake, Ofengemüse, Dinnede, Zimtschnecken oder Bratäpfel: Die Liste der Dinge, für die wir auch unterwegs gerne einen richtigen Ofen haben, lässt sich ziemlich lange fortsetzen. Deshalb war beim Ausbau schnell klar: Auch Mucki bekommt einen Backofen.

    Die Frage war also nicht, ob ein Backofen in den Camper kommt, sondern welcher klein genug dafür ist – und trotzdem nah genug an einen normalen Backofen herankommt.

    Wie viel Leistung braucht ein Backofen im Camper?

    Wer einen elektrischen Backofen im Camper betreiben möchte, braucht ein entsprechend leistungsfähiges 230-Volt-System. Kleine Tischbacköfen beginnen bei etwa 800 Watt, größere Geräte mit Umluft liegen bei bis zu 1.800 Watt.

    Zum Vergleich: Ein kleiner SEVERIN TO 2052 mit 9 Litern Garraum hat 800 Watt, der deutlich größere TO 2058 mit 42 Litern 1.800 Watt. Im Camper entscheidet deshalb nicht nur der vorhandene Platz über die Wahl des Ofens, sondern auch die Elektrik dahinter.

    Mucki hat ein 24-Volt-Bordnetz und einen Victron MultiPlus 24/3000 als Wechselrichter. Er liefert bei 25 °C bis zu 2.400 Watt dauerhaft. Unser Backofen ist mit maximal 1.680 Watt angegeben und liegt damit komfortabel innerhalb dieser Leistung.

    Im Alltag bleibt sogar etwas Reserve für weitere Verbraucher. Eine Kochzone unseres IKEA-Induktionsfelds lässt sich gleichzeitig ungefähr auf Stufe 7 bis 8 betreiben. Auch unser Staubsauger Kärcher WD 3 Plus lief bereits problemlos parallel zum Ofen. Dauerhaft sollte man solche Kombinationen natürlich so wählen, dass genügend Reserve zur Maximalleistung des Wechselrichters bleibt.

    Warum wir einen kleinen Ofen mit Umluft wollten

    Umluft ist für gutes Backen nicht grundsätzlich notwendig. Viele Dinge funktionieren mit klassischer Ober- und Unterhitze hervorragend. Für einen kleinen Ofen war sie für mich trotzdem ein wichtiges Kriterium.

    Der Garraum ist klein und die Heizstäbe sitzen nah am Gargut. Ein Ventilator verteilt die Wärme besser und erweitert gleichzeitig die Möglichkeiten des Geräts. Ein normaler Einbaubackofen war uns dagegen zu groß und zu schwer.

    Unsere Wahl: der Gastroback Design Ofen Air Fry & Pizza

    So bin ich beim Gastroback Design Ofen Air Fry & Pizza gelandet. Für uns ist er ein ziemlich guter Kompromiss: kompakt genug für den Camper, aber mit vielen Funktionen eines großen Backofens.

    • Garraum: ca. 22 Liter
    • Leistung: maximal 1.680 Watt
    • Abmessungen: ca. 395 × 374 × 357 mm
    • Temperatur: bis 220 °C
    • Funktionen: Oberhitze, Unterhitze, kombinierte Hitze, Umluft und Air Fry

    Den Backofen im Camper befestigen

    Ein schwerer Backofen sollte während der Fahrt natürlich nicht lose im Möbel stehen. Gleichzeitig wollte ich möglichst wenig am Gerät selbst verändern.

    Ich habe deshalb die vorhandenen Verschraubungspunkte der originalen Füße genutzt und dort eine Sperrholzplatte mit dem Ofen verschraubt. Die Platte wiederum ist fest mit dem Möbel in Mucki verbunden.

    Mit dieser Konstruktion sind wir inzwischen rund 5.000 Kilometer über unterschiedlichste Straßen und Wege gefahren. Bislang sitzt der Ofen unverändert fest an seinem Platz.

    Wichtig: Das ist unsere individuelle Lösung und keine allgemeine Einbauanleitung. Der Hersteller sieht den Ofen als freistehendes Gerät vor und verlangt unter anderem freie Lüftungsöffnungen sowie entsprechende Abstände zu anderen Gegenständen.

    Die größere Herausforderung: Abwärme

    Der Strom war beim Einbau letztlich gar nicht das schwierigste Thema. Mehr Gedanken hat mir die Abwärme gemacht.

    Ein kompakter Tischbackofen gibt über Gehäuse und Lüftungsöffnungen ordentlich Wärme an seine Umgebung ab. Im Camper kann sich diese schnell im Möbel sammeln. Bei uns sitzt ausgerechnet der Kühlschrank ziemlich nah am Ofen.

    Mehr Abstand ließ sich in unserem Ausbau nicht sinnvoll herstellen. Deshalb habe ich hinter dem Backofen einen Noctua NF-A14 industrialPPC-24V-3000 SP IP67 PWM eingebaut. Der 140-mm-Lüfter läuft direkt an 24 Volt, erreicht maximal 3.000 Umdrehungen pro Minute und bewegt laut Hersteller bis zu rund 269 m³ Luft pro Stunde.

    Automatische Lüftung über Shelly

    Der Ofen hängt an einem Shelly 1PM Gen4, der gleichzeitig seine Leistungsaufnahme misst. Ein Shelly-Script nutzt diesen Wert, um den Lüfter automatisch zu schalten.

    Sobald der Ofen mehr als 100 Watt zieht, startet der Lüfter. Nach dem letzten Heizvorgang läuft er weitere 15 Minuten nach.

    Der Nachlauf ist wichtig, weil ein Backofen seine Heizstäbe nach Erreichen der Temperatur immer wieder aus- und einschaltet. Ohne Verzögerung würde der Lüfter diesem Takt folgen. Die 15 Minuten überbrücken diese Pausen und führen nach dem Backen zusätzlich die verbleibende Wärme ab.

    3.000 U/min sind wahrscheinlich zu viel

    Aktuell läuft der Noctua noch mit voller Drehzahl. Die warme Luft wird damit zuverlässig abgeführt – möglicherweise sogar etwas zu zuverlässig.

    Seit dem Einbau hatte ich den Eindruck, dass sich die Backzeiten teilweise verlängern. Meine Vermutung ist, dass der starke Luftstrom das Gehäuse stärker kühlt und dadurch die Wärmeverluste des Ofens erhöht.

    Deshalb soll der Lüfter noch eine PWM-Steuerung bekommen. Statt permanent mit 3.000 U/min zu laufen, soll er künftig nur so schnell drehen, wie es tatsächlich notwendig ist.

    Wird der Kühlschrank beim Backen wärmer?

    Im Kühlschrank liegt ein Ruuvi-Temperatursensor, dessen Werte über unser Victron-System mitgeloggt werden. Damit lässt sich ziemlich gut beobachten, was während eines Backvorgangs passiert.

    Für die Auswertung habe ich bei jedem längeren Backvorgang die Temperatur unmittelbar vor dem Einschalten des Ofens mit der höchsten Temperatur während des Backens und in den 30 Minuten danach verglichen. Als Ausgangswert dient jeweils der Median der zehn Minuten vor dem Start.

    Das Ergebnis ist ziemlich eindeutig in der Tendenz: Bei 17 von 22 längeren Ofennutzungen stieg die gemessene Kühlschranktemperatur gegenüber dem Ausgangswert an. Der typische maximale Anstieg lag bei rund 0,2 °C. Bei einzelnen Backvorgängen waren es bis zu 0,8 °C.

    Die Wärme des Backofens scheint sich im Kühlschrank also durchaus bemerkbar zu machen – allerdings deutlich weniger dramatisch, als die starke Abwärme hinter dem Gerät zunächst vermuten lässt.

    Ganz isolieren lässt sich der Effekt mit diesen Daten nicht. Der normale Kühlzyklus, das Öffnen der Kühlschranktür und Veränderungen der Umgebungstemperatur beeinflussen die Messung ebenfalls. Die Daten zeigen deshalb einen Zusammenhang während des Backens, aber keine exakte Wärmemenge, die ausschließlich vom Ofen stammt.

    Ob und wie stark der zusätzliche Lüfter diesen Temperaturanstieg reduziert, möchte ich mit weiteren vergleichbaren Messungen noch genauer untersuchen.

    Wie viel Strom verbraucht ein elektrischer Backofen im Camper?

    Die 1.680 Watt auf dem Datenblatt sind nur die maximale Leistungsaufnahme. Sobald der Ofen seine Temperatur erreicht hat, schaltet er die Heizstäbe immer wieder ab und später erneut ein.

    Der Shelly zeichnet den tatsächlichen Energieverbrauch auf. Bei den längeren, sauber auswertbaren Backvorgängen lag dieser im Mittel bei knapp 0,5 kWh. Als Faustzahl passt für unseren Alltag deshalb ziemlich gut: Ein normaler Backvorgang kostet uns ungefähr eine halbe Kilowattstunde Energie.

    Je nach Temperatur, Programm und Dauer schwankt dieser Wert natürlich deutlich. Kurze Anwendungen benötigen weniger, lange Backvorgänge entsprechend mehr.

    Was kommt davon wirklich aus der Batterie?

    Zwischen Batterie und Ofen sitzt noch der Wechselrichter. Deshalb ist der Verbrauch am Shelly nicht identisch mit der Energie, die tatsächlich aus der 24-Volt-Batterie kommt.

    Bei einem gut auswertbaren, gut einstündigen Backvorgang erfasste der Shelly rund 0,63 kWh direkt am Ofen. Der MultiPlus lieferte im gleichen Zeitraum insgesamt rund 0,71 kWh auf seiner 230-Volt-Seite, während auf der Batterieseite ungefähr 0,8 kWh zusammenkamen.

    Die Differenz lässt sich allerdings nicht komplett dem Wechselrichter zuschreiben: Während des Backens können weitere Verbraucher laufen und die Messwerte von Shelly und Victron werden nicht exakt gleichzeitig erfasst. Die Daten zeigen aber gut, dass für die Energieplanung nicht nur der Verbrauch des Ofens selbst zählt – auch Wandlungsverluste und das restliche 230-Volt-System gehören dazu.

    Was wir noch verbessern wollen

    Als Nächstes möchte ich vor allem die Drehzahl des Abluftlüfters reduzieren und anschließend erneut messen, wie sich unterschiedliche Lüfterleistungen auf Backzeit und Kühlschranktemperatur auswirken.

    Auch Temperatur, Programm, Backzeit und Energieverbrauch verschiedener Gerichte möchte ich künftig genauer dokumentieren. So kann dieser Artikel mit der Zeit um echte Erfahrungswerte wachsen.

    Unser Fazit zum Backofen im Camper

    Ein Backofen gehört sicher nicht zu den Dingen, die ein Camper zwingend braucht. Für uns macht er das Leben unterwegs trotzdem ein gutes Stück gemütlicher.

    Mit einem ausreichend dimensionierten Stromsystem ist der elektrische Betrieb unkompliziert. Die interessanteren Herausforderungen sind Platz, sichere Befestigung und der Umgang mit der entstehenden Abwärme.

    Der Gastroback passt für uns ziemlich genau in die Lücke zwischen kleinem Campingofen und großem Haushaltsgerät. Zusammen mit MultiPlus, Shelly-Messung und automatischer Lüftung ist daraus inzwischen ein kleines System geworden, das sich gut in Mucki einfügt.

    Und wahrscheinlich ist genau das der eigentliche Luxus daran: nicht möglichst viel Technik mitzunehmen, sondern unterwegs die Dinge zu haben, die einen Ort ein bisschen mehr nach dem eigenen Nest fühlen lassen.