Schlagwort: Camper Küche

  • Backofen im Camper: ein kleiner Luxus, den wir nicht mehr missen wollen

    Nach einer langen Skitour zurück in den Camper kommen und schon beim Öffnen der Tür den Geruch von frisch gebackenem Bauernbrot in der Nase haben: Genau solche Momente machen aus einem Fahrzeug für uns mehr als nur einen Camper – ein kleines Nest auf Rädern.

    Carrot Cake, Ofengemüse, Dinnede, Zimtschnecken oder Bratäpfel: Die Liste der Dinge, für die wir auch unterwegs gerne einen richtigen Ofen haben, lässt sich ziemlich lange fortsetzen. Deshalb war beim Ausbau schnell klar: Auch Mucki bekommt einen Backofen.

    Die Frage war also nicht, ob ein Backofen in den Camper kommt, sondern welcher klein genug dafür ist – und trotzdem nah genug an einen normalen Backofen herankommt.

    Wie viel Leistung braucht ein Backofen im Camper?

    Wer einen elektrischen Backofen im Camper betreiben möchte, braucht ein entsprechend leistungsfähiges 230-Volt-System. Kleine Tischbacköfen beginnen bei etwa 800 Watt, größere Geräte mit Umluft liegen bei bis zu 1.800 Watt.

    Zum Vergleich: Ein kleiner SEVERIN TO 2052 mit 9 Litern Garraum hat 800 Watt, der deutlich größere TO 2058 mit 42 Litern 1.800 Watt. Im Camper entscheidet deshalb nicht nur der vorhandene Platz über die Wahl des Ofens, sondern auch die Elektrik dahinter.

    Mucki hat ein 24-Volt-Bordnetz und einen Victron MultiPlus 24/3000 als Wechselrichter. Er liefert bei 25 °C bis zu 2.400 Watt dauerhaft. Unser Backofen ist mit maximal 1.680 Watt angegeben und liegt damit komfortabel innerhalb dieser Leistung.

    Im Alltag bleibt sogar etwas Reserve für weitere Verbraucher. Eine Kochzone unseres IKEA-Induktionsfelds lässt sich gleichzeitig ungefähr auf Stufe 7 bis 8 betreiben. Auch unser Staubsauger Kärcher WD 3 Plus lief bereits problemlos parallel zum Ofen. Dauerhaft sollte man solche Kombinationen natürlich so wählen, dass genügend Reserve zur Maximalleistung des Wechselrichters bleibt.

    Warum wir einen kleinen Ofen mit Umluft wollten

    Umluft ist für gutes Backen nicht grundsätzlich notwendig. Viele Dinge funktionieren mit klassischer Ober- und Unterhitze hervorragend. Für einen kleinen Ofen war sie für mich trotzdem ein wichtiges Kriterium.

    Der Garraum ist klein und die Heizstäbe sitzen nah am Gargut. Ein Ventilator verteilt die Wärme besser und erweitert gleichzeitig die Möglichkeiten des Geräts. Ein normaler Einbaubackofen war uns dagegen zu groß und zu schwer.

    Unsere Wahl: der Gastroback Design Ofen Air Fry & Pizza

    So bin ich beim Gastroback Design Ofen Air Fry & Pizza gelandet. Für uns ist er ein ziemlich guter Kompromiss: kompakt genug für den Camper, aber mit vielen Funktionen eines großen Backofens.

    • Garraum: ca. 22 Liter
    • Leistung: maximal 1.680 Watt
    • Abmessungen: ca. 395 × 374 × 357 mm
    • Temperatur: bis 220 °C
    • Funktionen: Oberhitze, Unterhitze, kombinierte Hitze, Umluft und Air Fry

    Den Backofen im Camper befestigen

    Ein schwerer Backofen sollte während der Fahrt natürlich nicht lose im Möbel stehen. Gleichzeitig wollte ich möglichst wenig am Gerät selbst verändern.

    Ich habe deshalb die vorhandenen Verschraubungspunkte der originalen Füße genutzt und dort eine Sperrholzplatte mit dem Ofen verschraubt. Die Platte wiederum ist fest mit dem Möbel in Mucki verbunden.

    Mit dieser Konstruktion sind wir inzwischen rund 5.000 Kilometer über unterschiedlichste Straßen und Wege gefahren. Bislang sitzt der Ofen unverändert fest an seinem Platz.

    Wichtig: Das ist unsere individuelle Lösung und keine allgemeine Einbauanleitung. Der Hersteller sieht den Ofen als freistehendes Gerät vor und verlangt unter anderem freie Lüftungsöffnungen sowie entsprechende Abstände zu anderen Gegenständen.

    Die größere Herausforderung: Abwärme

    Der Strom war beim Einbau letztlich gar nicht das schwierigste Thema. Mehr Gedanken hat mir die Abwärme gemacht.

    Ein kompakter Tischbackofen gibt über Gehäuse und Lüftungsöffnungen ordentlich Wärme an seine Umgebung ab. Im Camper kann sich diese schnell im Möbel sammeln. Bei uns sitzt ausgerechnet der Kühlschrank ziemlich nah am Ofen.

    Mehr Abstand ließ sich in unserem Ausbau nicht sinnvoll herstellen. Deshalb habe ich hinter dem Backofen einen Noctua NF-A14 industrialPPC-24V-3000 SP IP67 PWM eingebaut. Der 140-mm-Lüfter läuft direkt an 24 Volt, erreicht maximal 3.000 Umdrehungen pro Minute und bewegt laut Hersteller bis zu rund 269 m³ Luft pro Stunde.

    Automatische Lüftung über Shelly

    Der Ofen hängt an einem Shelly 1PM Gen4, der gleichzeitig seine Leistungsaufnahme misst. Ein Shelly-Script nutzt diesen Wert, um den Lüfter automatisch zu schalten.

    Sobald der Ofen mehr als 100 Watt zieht, startet der Lüfter. Nach dem letzten Heizvorgang läuft er weitere 15 Minuten nach.

    Der Nachlauf ist wichtig, weil ein Backofen seine Heizstäbe nach Erreichen der Temperatur immer wieder aus- und einschaltet. Ohne Verzögerung würde der Lüfter diesem Takt folgen. Die 15 Minuten überbrücken diese Pausen und führen nach dem Backen zusätzlich die verbleibende Wärme ab.

    3.000 U/min sind wahrscheinlich zu viel

    Aktuell läuft der Noctua noch mit voller Drehzahl. Die warme Luft wird damit zuverlässig abgeführt – möglicherweise sogar etwas zu zuverlässig.

    Seit dem Einbau hatte ich den Eindruck, dass sich die Backzeiten teilweise verlängern. Meine Vermutung ist, dass der starke Luftstrom das Gehäuse stärker kühlt und dadurch die Wärmeverluste des Ofens erhöht.

    Deshalb soll der Lüfter noch eine PWM-Steuerung bekommen. Statt permanent mit 3.000 U/min zu laufen, soll er künftig nur so schnell drehen, wie es tatsächlich notwendig ist.

    Wird der Kühlschrank beim Backen wärmer?

    Im Kühlschrank liegt ein Ruuvi-Temperatursensor, dessen Werte über unser Victron-System mitgeloggt werden. Damit lässt sich ziemlich gut beobachten, was während eines Backvorgangs passiert.

    Für die Auswertung habe ich bei jedem längeren Backvorgang die Temperatur unmittelbar vor dem Einschalten des Ofens mit der höchsten Temperatur während des Backens und in den 30 Minuten danach verglichen. Als Ausgangswert dient jeweils der Median der zehn Minuten vor dem Start.

    Das Ergebnis ist ziemlich eindeutig in der Tendenz: Bei 17 von 22 längeren Ofennutzungen stieg die gemessene Kühlschranktemperatur gegenüber dem Ausgangswert an. Der typische maximale Anstieg lag bei rund 0,2 °C. Bei einzelnen Backvorgängen waren es bis zu 0,8 °C.

    Die Wärme des Backofens scheint sich im Kühlschrank also durchaus bemerkbar zu machen – allerdings deutlich weniger dramatisch, als die starke Abwärme hinter dem Gerät zunächst vermuten lässt.

    Ganz isolieren lässt sich der Effekt mit diesen Daten nicht. Der normale Kühlzyklus, das Öffnen der Kühlschranktür und Veränderungen der Umgebungstemperatur beeinflussen die Messung ebenfalls. Die Daten zeigen deshalb einen Zusammenhang während des Backens, aber keine exakte Wärmemenge, die ausschließlich vom Ofen stammt.

    Ob und wie stark der zusätzliche Lüfter diesen Temperaturanstieg reduziert, möchte ich mit weiteren vergleichbaren Messungen noch genauer untersuchen.

    Wie viel Strom verbraucht ein elektrischer Backofen im Camper?

    Die 1.680 Watt auf dem Datenblatt sind nur die maximale Leistungsaufnahme. Sobald der Ofen seine Temperatur erreicht hat, schaltet er die Heizstäbe immer wieder ab und später erneut ein.

    Der Shelly zeichnet den tatsächlichen Energieverbrauch auf. Bei den längeren, sauber auswertbaren Backvorgängen lag dieser im Mittel bei knapp 0,5 kWh. Als Faustzahl passt für unseren Alltag deshalb ziemlich gut: Ein normaler Backvorgang kostet uns ungefähr eine halbe Kilowattstunde Energie.

    Je nach Temperatur, Programm und Dauer schwankt dieser Wert natürlich deutlich. Kurze Anwendungen benötigen weniger, lange Backvorgänge entsprechend mehr.

    Was kommt davon wirklich aus der Batterie?

    Zwischen Batterie und Ofen sitzt noch der Wechselrichter. Deshalb ist der Verbrauch am Shelly nicht identisch mit der Energie, die tatsächlich aus der 24-Volt-Batterie kommt.

    Bei einem gut auswertbaren, gut einstündigen Backvorgang erfasste der Shelly rund 0,63 kWh direkt am Ofen. Der MultiPlus lieferte im gleichen Zeitraum insgesamt rund 0,71 kWh auf seiner 230-Volt-Seite, während auf der Batterieseite ungefähr 0,8 kWh zusammenkamen.

    Die Differenz lässt sich allerdings nicht komplett dem Wechselrichter zuschreiben: Während des Backens können weitere Verbraucher laufen und die Messwerte von Shelly und Victron werden nicht exakt gleichzeitig erfasst. Die Daten zeigen aber gut, dass für die Energieplanung nicht nur der Verbrauch des Ofens selbst zählt – auch Wandlungsverluste und das restliche 230-Volt-System gehören dazu.

    Was wir noch verbessern wollen

    Als Nächstes möchte ich vor allem die Drehzahl des Abluftlüfters reduzieren und anschließend erneut messen, wie sich unterschiedliche Lüfterleistungen auf Backzeit und Kühlschranktemperatur auswirken.

    Auch Temperatur, Programm, Backzeit und Energieverbrauch verschiedener Gerichte möchte ich künftig genauer dokumentieren. So kann dieser Artikel mit der Zeit um echte Erfahrungswerte wachsen.

    Unser Fazit zum Backofen im Camper

    Ein Backofen gehört sicher nicht zu den Dingen, die ein Camper zwingend braucht. Für uns macht er das Leben unterwegs trotzdem ein gutes Stück gemütlicher.

    Mit einem ausreichend dimensionierten Stromsystem ist der elektrische Betrieb unkompliziert. Die interessanteren Herausforderungen sind Platz, sichere Befestigung und der Umgang mit der entstehenden Abwärme.

    Der Gastroback passt für uns ziemlich genau in die Lücke zwischen kleinem Campingofen und großem Haushaltsgerät. Zusammen mit MultiPlus, Shelly-Messung und automatischer Lüftung ist daraus inzwischen ein kleines System geworden, das sich gut in Mucki einfügt.

    Und wahrscheinlich ist genau das der eigentliche Luxus daran: nicht möglichst viel Technik mitzunehmen, sondern unterwegs die Dinge zu haben, die einen Ort ein bisschen mehr nach dem eigenen Nest fühlen lassen.