Kategorie: Technik

  • Camper-Boiler smart steuern: Shelly, Victron & Node-RED

    Ein elektrischer Boiler im Camper hat einen entscheidenden Vorteil: Strom lässt sich ziemlich einfach steuern.

    Statt unseren 24-V-Boiler einfach bei Bedarf einzuschalten, haben wir ihn deshalb in Muckis Energiesystem integriert. Ein Shelly 1 Gen4 übernimmt zusammen mit einem Temperatursensor die lokale Steuerung. Der Victron Cerbo GX kennt gleichzeitig Batteriestand, Solarleistung und aktuelle Verbraucher. Über Node-RED werden diese Informationen miteinander verknüpft.

    Das Ergebnis: Der Boiler heizt bevorzugt dann, wenn ohnehin überschüssige Energie vorhanden ist.

    Damit wird aus einem relativ großen Stromverbraucher eine Art thermischer Energiespeicher.

    Warum wir überhaupt einen elektrischen Boiler eingebaut haben und weshalb ich die Kombination aus 9 Litern und rein elektrischer Erwärmung heute trotzdem anders planen würde, habe ich hier ausführlich beschrieben:

    → Elektrischer Boiler im Camper: Unsere Erfahrungen mit 24 V und Solar

    Unser Warmwasser-Setup in Mucki

    Verbaut ist ein 9-Liter-Pundmann-Boiler mit zwei 24-V-Heizstäben à 400 Watt.

    Ein einzelner Heizstab benötigt bei 24 Volt rechnerisch ungefähr 16,7 Ampere. Werden beide Heizstäbe gleichzeitig betrieben, sind es rund 33 Ampere.

    Damit ist schnell klar: Der eigentliche Heizstrom gehört nicht direkt über einen kleinen Smart-Home-Schalter geführt.

    Bei uns besteht die Steuerung deshalb grundsätzlich aus zwei Ebenen:

    • Der Shelly entscheidet, ob geheizt werden soll.
    • Ein entsprechend dimensioniertes 24-V-Relais schaltet den Heizstrom.

    Zusätzlich messen wir die Temperatur direkt am Boiler.

    Die Komponenten unserer Boilersteuerung

    In unserem Aufbau kommen im Wesentlichen folgende Komponenten zum Einsatz:

    • Shelly 1 Gen4
    • Shelly Plus Add-on
    • DS18B20-Temperatursensor
    • 24-V-Kfz-Relais
    • Victron Cerbo GX
    • Node-RED auf Venus OS
    • thermostatisches Mischventil als Verbrühschutz

    Der Shelly übernimmt dabei nicht die Aufgabe einer Sicherung oder eines unabhängigen Übertemperaturschutzes. Diese Funktionen müssen elektrisch beziehungsweise mechanisch separat gewährleistet bleiben.

    Auch ein mit „40 A“ beschriftetes Relais sollte nicht allein anhand dieser Zahl ausgewählt werden. Entscheidend sind unter anderem die tatsächliche DC-Dauerstromfreigabe, die verwendeten Kontakte, Kabelquerschnitte, Absicherung und Einbausituation.

    Temperatur messen mit dem DS18B20

    Der DS18B20 liefert uns die aktuelle Temperatur des Boilers.

    Damit lässt sich Warmwasser deutlich bedarfsgerechter erzeugen als mit einem einfachen Ein-/Aus-Schalter.

    Wenn wir beispielsweise nur etwas warmes Wasser zum Abwaschen benötigen, muss der Boiler nicht zwangsläufig auf seine maximale Temperatur gebracht werden.

    Für eine möglichst große Warmwasserreserve kann dagegen stärker aufgeheizt werden.

    Gerade bei einem relativ großen 9-Liter-Boiler ist diese Temperatursteuerung praktisch: Es macht energetisch einen erheblichen Unterschied, ob neun Liter Wasser nur moderat oder um 40 bis 50 Kelvin erwärmt werden.

    Hohe Boilertemperatur, mehr nutzbares Warmwasser

    Eine hohe Speichertemperatur hat allerdings auch einen Vorteil.

    Das Wasser wird später an einem thermostatischen Mischventil mit kaltem Wasser vermischt. Aus beispielsweise neun Litern sehr heißem Wasser können dadurch deutlich mehr als neun Liter Wasser mit angenehmer Duschtemperatur entstehen.

    Das Mischventil übernimmt gleichzeitig eine wichtige Schutzfunktion: An Dusche und Wasserhahn soll unabhängig von der Speichertemperatur nur die eingestellte Mischtemperatur ankommen.

    Bei uns lässt sich diese beispielsweise im Bereich einer angenehmen Duschtemperatur einstellen.

    Warum der Victron Cerbo GX ins Spiel kommt

    Bis hierhin wäre die Steuerung noch relativ einfach: Temperatur messen, Boiler einschalten, Zieltemperatur erreichen, Boiler ausschalten.

    Spannend wird das System erst durch die Daten des Victron Cerbo GX.

    Der Cerbo weiß unter anderem:

    • wie voll die Aufbaubatterie ist,
    • wie viel Solarleistung gerade erzeugt wird,
    • ob die Batterie geladen oder entladen wird,
    • wie viel Leistung andere Verbraucher gerade benötigen.

    Über Node-RED können wir daraus Regeln erstellen, die entscheiden, wann Warmwasser energetisch sinnvoll ist.

    Unsere PV-Überschusslogik

    Die Grundidee ist einfach:

    Die Batterie hat Vorrang. Erst wenn sie praktisch voll ist, darf überschüssige Solarenergie in Warmwasser umgewandelt werden.

    Unsere aktuelle Logik startet die automatische Warmwasserbereitung ungefähr bei:

    • 98 % SOC der Aufbaubatterie
    • und gleichzeitig mehr als ungefähr 100 Watt verfügbarer PV-Leistung.

    Der Boiler wird anschließend wieder ausgeschaltet, wenn der Batteriestand unter ungefähr 95 % SOC fällt.

    Durch diese Hysterese schaltet das System nicht ständig direkt an der gleichen SOC-Grenze ein und wieder aus.

    Große Verbraucher haben Vorrang

    Mucki besitzt neben dem Boiler noch einige weitere leistungsstarke elektrische Verbraucher.

    Dazu gehören beispielsweise Kochfeld und Backofen.

    Deshalb berücksichtigt Node-RED nicht nur den SOC, sondern auch die aktuelle Batterieleistung.

    Wenn plötzlich ein großer Verbraucher eingeschaltet wird und mehr als ungefähr 1.000 Watt aus der Batterie entnommen werden, pausiert die automatische Boilerheizung.

    Dadurch konkurriert Warmwasser nicht unnötig mit Verbrauchern, die wir in diesem Moment tatsächlich benötigen.

    Ist die hohe Last wieder verschwunden und stimmen die übrigen Bedingungen weiterhin, kann die Warmwasserbereitung später erneut freigegeben werden.

    Warum 98 Prozent und nicht einfach 100 Prozent?

    Würde der Boiler erst exakt bei 100 % SOC eingeschaltet, könnte ein großer Teil des nutzbaren Solarüberschusses verloren gehen.

    Andersherum möchten wir die Batterie aber auch nicht dauerhaft irgendwo knapp unterhalb einer vollständigen Ladung halten.

    Deshalb beginnt unsere Überschussnutzung bereits bei ungefähr 98 %, wird aber von einer zusätzlichen Regel überwacht.

    Regelmäßige Vollladung hat Vorrang

    Wenn die Batterie über längere Zeit nicht vollständig geladen wurde, deaktiviert Node-RED die PV-Überschussfunktion.

    Bei unserem System passiert das nach ungefähr 21 Tagen ohne vollständige Ladung.

    Der Boiler darf dann nicht länger Solarüberschuss abgreifen. Die gesamte verfügbare Energie geht zunächst in die Batterie.

    Sobald 100 % SOC erreicht wurden, bleibt die Warmwasserautomatik noch ungefähr zwei weitere Stunden gesperrt.

    Damit bekommt das Batteriesystem Zeit für die Ladephase bei hohem SOC und den Zellenausgleich.

    Erst danach wird die Überschussfunktion wieder freigegeben.

    Der Boiler wird zum Energiespeicher

    Der interessante Gedanke hinter der ganzen Automatisierung ist für mich weniger der smarte Schalter selbst.

    Entscheidend ist, dass wir überschüssige Energie nicht mehr zwangsläufig elektrisch speichern müssen.

    Ist die Batterie bereits voll, kann zusätzliche Solarenergie stattdessen in Wärme umgewandelt werden.

    Ein vollständig aufgeheizter Boiler enthält bei unserem 9-Liter-System grob eine halbe Kilowattstunde Wärmeenergie zusätzlich zum kalten Wasser.

    Diese Energie steht später zum Duschen oder Abwaschen zur Verfügung.

    Der Boiler funktioniert damit im übertragenen Sinn wie ein kleiner thermischer Akku.

    545 Wp auf dem Dach plus 400-Wp-Faltpanel

    Fest auf Muckis Dach sind 545 Wp Solarleistung installiert.

    Bei längeren Standzeiten können wir zusätzlich ein 400-Wp-Faltpanel aufstellen.

    Unter guten Bedingungen stehen damit insgesamt bis zu 945 Wp installierte PV-Leistung zur Verfügung.

    Gerade im Sommer funktioniert die Überschusslogik deshalb sehr gut.

    Die Batterie erreicht ihren hohen Ladezustand und der Boiler bekommt anschließend Energie, die wir zu diesem Zeitpunkt nicht mehr sinnvoll in der Batterie speichern können.

    Im Herbst verändert sich das System

    Im Herbst passiert allerdings genau das Gegenteil.

    Die Tage werden kürzer, der Sonnenstand niedriger und der Solarertrag sinkt. Gleichzeitig steigt der Wunsch nach warmem Wasser.

    Dann bekommt unsere Regelung eine andere Aufgabe: Sie muss nicht mehr möglichst viel überschüssige Energie verwerten, sondern verhindern, dass Komfortverbraucher die Batterie unnötig leeren.

    Genau deshalb finde ich eine dynamische Steuerung sinnvoller als einen Boiler, der einfach nach einem festen Zeitplan eingeschaltet wird.

    Auch Landstrom lässt sich automatisieren

    Das gleiche Prinzip funktioniert mit Landstrom.

    Wenn der Camper an einer Steckdose hängt, kann zunächst die Batterie vollständig geladen werden.

    Danach wird zusätzliche Energie verwendet, um den Boiler aufzuheizen.

    Beim Abziehen des Landstroms starten wir dadurch nicht nur mit voller Batterie, sondern zusätzlich mit einem Speicher voll heißem Wasser.

    Bei unserem Reisestil kommt Landstrom allerdings vergleichsweise selten vor.

    Automatik und manuelle Steuerung schließen sich nicht aus

    Eine wichtige Erkenntnis aus dem Ausbau: Eine gute Automatisierung sollte den manuellen Betrieb nicht komplizierter machen.

    Wenn wir warmes Wasser benötigen, möchten wir nicht erst darauf warten, dass die Sonne scheint und alle Bedingungen der PV-Automatik erfüllt sind.

    Deshalb unterscheiden wir grundsätzlich zwischen einer automatischen Überschussfunktion und bewusst angeforderter Warmwasserbereitung.

    Solarüberschuss bedeutet: Warmwasser entsteht dann, wenn die Energie ohnehin vorhanden ist.

    Manuelles Aufheizen bedeutet dagegen: Wir entscheiden bewusst, dass uns Warmwasser gerade wichtiger ist als die dafür benötigte elektrische Energie.

    Diese Trennung macht das System im Alltag deutlich verständlicher.

    Was ich heute anders planen würde

    Mit der Steuerung selbst bin ich sehr zufrieden.

    Sie zeigt aber gleichzeitig das grundsätzliche Problem unseres Warmwassersystems: Wir verwenden relativ viel technische Intelligenz, um einen großen elektrischen Verbraucher möglichst geschickt in unser Energiesystem einzubinden.

    Bei einem neuen Ausbau würde ich deshalb wahrscheinlich weiterhin eine elektrische Heizpatrone vorsehen – aber zusätzlich eine zweite Wärmequelle nutzen.

    Im Sommer könnte der Boiler weiterhin automatisch Solarüberschuss aufnehmen.

    Im Winter könnte dagegen die ohnehin laufende Standheizung oder eine andere Wärmequelle die Warmwasserbereitung übernehmen.

    Die Automatisierung würde dadurch nicht überflüssig. Im Gegenteil: Sie könnte jeweils entscheiden, welche Energiequelle gerade am sinnvollsten ist.

    Fazit: Warmwasser dann erzeugen, wenn Energie verfügbar ist

    Unser elektrischer Boiler ist ein gutes Beispiel dafür, was ich an einem intelligenten Camper-Energiesystem spannend finde.

    Es geht nicht darum, möglichst viele Geräte mit einer App bedienen zu können.

    Die Technik soll im Hintergrund Entscheidungen übernehmen, die wir sonst ständig selbst treffen müssten.

    Der Cerbo kennt den Zustand des Energiesystems, Node-RED verarbeitet die Informationen und der Shelly setzt die Entscheidung am Boiler um.

    Dadurch wird Warmwasser bevorzugt genau dann produziert, wenn die Energie dafür ohnehin vorhanden ist.

    Und wenn die Energie knapp wird, hat die Batterie automatisch Vorrang.

    Für mich ist genau das der interessante Teil eines smarten Camperausbaus: Technik, die nicht beschäftigt, sondern unauffällig dafür sorgt, dass unterwegs mehr wie zuhause funktioniert.

  • Elektrischer Boiler im Camper: Unsere Erfahrungen mit 24 V, Solar & Victron

    Warmes Wasser im Camper ist kein Muss – aber ziemlich schnell einer dieser Komfortpunkte, auf die man unterwegs nur ungern wieder verzichten möchte. Beim Abwasch ist es praktisch, bei einer heißen Dusche nach einem langen Tag draußen wird es zum echten Genuss.

    Eine besondere Qualität bekommt diese Dusche, wenn draußen frischer Herbstwind weht oder rund um den Camper Schnee liegt. Wir haben uns bei Mucki aus Platzgründen bewusst für eine Außendusche entschieden. Damit sie auch in der kühleren Jahreszeit angenehm funktioniert, braucht es allerdings eine zuverlässige Warmwasserversorgung.

    Bei uns übernimmt das ein elektrischer 24-V-Boiler. Nach einigen Monaten Nutzung würde ich das System heute allerdings etwas anders planen.

    Warmwasser im Camper: Welche Möglichkeiten gibt es?

    Für die Warmwasserbereitung im Camper haben sich im Wesentlichen drei Wege etabliert:

    • Elektrisch: Das Wasser wird über einen oder mehrere Heizstäbe erwärmt.
    • Über die Standheizung: Die Wärme einer Diesel- oder Gasheizung wird zusätzlich zur Erwärmung des Wassers genutzt.
    • Über einen Wärmetauscher: Das Wasser wird beispielsweise durch den Motorkühlkreislauf oder eine Diesel-Wasserheizung erwärmt.

    Wir haben uns für die erste Variante entschieden. Muckis elektrische Anlage ist mit einer großen 24-V-LiFePO4-Batterie, Solar und einem leistungsfähigen Ladebooster ohnehin ziemlich üppig dimensioniert. Deshalb erschien ein elektrischer Boiler zunächst als einfache und elegante Lösung.

    Dass die Energiebilanz trotzdem irgendwann knapp werden kann, hat mich auf unserer Reise überrascht.

    Gerade deshalb lohnt es sich, die Warmwasserbereitung bereits früh in die Planung des Camperausbaus einzubeziehen. Systeme mit Warmluft, Kühlwasser oder Wasserheizung benötigen passende Leitungswege und eine sinnvolle Positionierung der Komponenten. Das später nachzurüsten ist deutlich aufwendiger.

    Unser Setup: 9-Liter-Pundmann-Boiler mit 24 Volt

    In Mucki steckt ein 9-Liter-Pundmann-Boiler mit zwei Heizstäben à 400 Watt bei 24 Volt.

    Die zwei Heizstäbe haben durchaus Vorteile:

    • Redundanz, falls ein Heizstab ausfällt
    • schnelleres Aufheizen mit insgesamt 800 Watt
    • relativ einfacher Einbau
    • direkter Betrieb aus dem 24-V-Bordnetz

    Sie stellen allerdings auch entsprechende Anforderungen an Batterie und Energieversorgung. Solar, Ladebooster und gegebenenfalls Landstrom müssen genügend Energie nachliefern können.

    Landstrom war bei der Planung von Mucki bewusst eher ein Nice-to-have. Unser Ziel war, möglichst lange unabhängig von Campingplätzen und Steckdosen reisen zu können.

    Wie viel Energie braucht ein 9-Liter-Boiler?

    Die benötigte Energie lässt sich ziemlich gut berechnen. Um 9 Liter Wasser von 20 °C auf 65 °C zu erwärmen, sind theoretisch ungefähr 0,47 kWh Wärmeenergie notwendig.

    Bei einer Erwärmung von 20 °C auf 70 °C sind es rund 0,52 kWh.

    AufheizungEnergie theoretisch400 W800 W
    20 → 65 °Cca. 0,47 kWhca. 71 minca. 35 min
    20 → 70 °Cca. 0,52 kWhca. 78 minca. 39 min

    Das sind Idealwerte. Wärmeverluste des Boilers, der Leitungen und der Umgebung kommen noch dazu. In der Praxis wird deshalb etwas mehr Energie benötigt.

    Und genau hier liegt für mich der entscheidende Nachteil eines relativ großen, ausschließlich elektrisch beheizten Boilers: Auch wenn nur wenig Warmwasser benötigt wird, muss zunächst das gesamte Boiler-Volumen erwärmt werden.

    Für eine schnelle Dusche oder etwas warmes Wasser zum Abwaschen ist das nicht besonders effizient.

    Würde ich wieder einen 9-Liter-Boiler rein elektrisch betreiben?

    Wahrscheinlich nicht.

    Die Kombination aus großem Boiler und rein elektrischer Erwärmung halte ich inzwischen für ungünstig – zumindest für einen Camper, der möglichst unabhängig von Landstrom funktionieren soll.

    Ein kleinerer Boiler würde weniger Wasser gleichzeitig speichern und könnte entsprechend schneller aufgeheizt werden. Alternativ finde ich heute einen Boiler interessant, der zusätzlich über die Standheizung oder den Motorkühlkreislauf erwärmt werden kann.

    Im Sommer fällt dieser Nachteil kaum auf. Dann haben wir häufig so viel Solarenergie, dass der Boiler praktisch kostenlos aus überschüssiger Energie aufgeheizt werden kann.

    Ausgerechnet dann ist eine heiße Dusche aber oft weniger wichtig.

    Im Herbst und Winter dreht sich die Situation um: Die Tage werden kürzer, die Sonne steht tiefer und die Solarerträge sinken – genau zu dem Zeitpunkt, an dem warmes Wasser deutlich angenehmer wird.

    Smarte Temperatursteuerung mit Shelly

    Unser Pundmann-Boiler besitzt in dieser Konfiguration keine komfortable frei einstellbare Temperaturregelung. Deshalb habe ich die Steuerung selbst umgesetzt.

    Zum Einsatz kommen unter anderem:

    • Shelly Plus 1 Gen4
    • 40-A-Kfz-Relais
    • Shelly Add-on
    • DS18B20-Temperatursensor

    Der Shelly schaltet dabei nicht direkt die hohe Last des Heizstabs, sondern steuert das entsprechend dimensionierte Relais.

    Über den Temperatursensor lässt sich die aktuelle Wassertemperatur erfassen. Dadurch kann ich festlegen, auf welche Temperatur der Boiler aufgeheizt werden soll.

    Für eine schnelle Dusche reichen beispielsweise deutlich niedrigere Temperaturen als für eine möglichst große Warmwasserreserve.

    Warum ich einen thermostatischen Verbrühschutz eingebaut habe

    Zusätzlich sitzt hinter dem Boiler ein thermostatisches Mischventil beziehungsweise ein Verbrühschutz.

    Das heiße Wasser aus dem Boiler wird dort automatisch mit kaltem Wasser gemischt. Dadurch lässt sich beispielsweise einstellen, dass an Dusche und Wasserhahn nur ungefähr 30 bis 48 °C warmes Wasser zur Verfügung steht.

    Das ist aus zwei Gründen sinnvoll.

    Erstens reduziert es das Risiko von Verbrühungen. Wasser um 60 °C und darüber kann sehr schnell zu Verletzungen führen. Gerade in einem Camper mit wechselnden Nutzern oder Kindern halte ich eine Begrenzung deshalb für sinnvoll.

    Zweitens vergrößert sich dadurch die effektiv nutzbare Warmwassermenge.

    Wenn die 9 Liter im Boiler beispielsweise auf knapp 70 °C aufgeheizt und anschließend mit kaltem Wasser auf Duschtemperatur heruntergemischt werden, stehen deutlich mehr als 9 Liter angenehm warmes Wasser zur Verfügung.

    PV-Überschuss nutzen: Der Boiler als thermischer Speicher

    Richtig interessant wird der elektrische Boiler durch die Verbindung mit unserem Victron Cerbo GX und Node-RED.

    Dadurch behandeln wir den Boiler nicht einfach als normalen Verbraucher, sondern als eine Art zusätzlichen Energiespeicher.

    Ist die Batterie nahezu voll und steht weiterhin Solarleistung zur Verfügung, wird überschüssige elektrische Energie in warmes Wasser umgewandelt.

    Unsere aktuelle Logik funktioniert vereinfacht so:

    • Boiler einschalten ab ungefähr 98 % SOC
    • zusätzlich muss ausreichend PV-Leistung vorhanden sein
    • Boiler ausschalten unter ungefähr 95 % SOC
    • Boiler ausschalten, wenn große Verbraucher die Batterie stark belasten

    Bei uns betrifft das beispielsweise Backofen, Kochfeld oder andere Verbraucher, die gleichzeitig viel Leistung benötigen.

    Sobald mehr als ungefähr 1.000 Watt aus der Batterie gezogen werden, kann die Warmwasserbereitung automatisch pausieren.

    Dadurch bekommt der Boiler nur Energie, die wir zu diesem Zeitpunkt tatsächlich übrig haben.

    Unsere Solaranlage

    Auf Mucki befinden sich fest montierte 545 Wp Solarleistung. Zusätzlich nutzen wir bei längeren Standzeiten ein faltbares 400-Wp-Solarmodul.

    Damit stehen unter guten Bedingungen insgesamt bis zu 945 Wp Solarleistung zur Verfügung.

    Im Sommer funktioniert die PV-Überschusssteuerung ausgesprochen gut. Die Batterie wird geladen und anschließend wandert überschüssige Solarenergie automatisch in den Boiler.

    Statt Solarleistung ungenutzt zu lassen, speichern wir sie also indirekt als Wärme.

    Warum die Batterie trotzdem regelmäßig wirklich voll werden muss

    Eine Besonderheit habe ich zusätzlich in Node-RED eingebaut.

    Wenn die Batterie über längere Zeit durch den Boiler immer knapp unterhalb des vollständigen Ladezustands gehalten würde, könnte sie ihre regulären Vollladephasen verpassen.

    Deshalb wird unsere PV-Überschussautomatik deaktiviert, wenn die Batterie länger als 21 Tage keinen vollständigen Ladezustand erreicht hat.

    Der Boiler bleibt dann aus, bis die Batterie wieder 100 % SOC erreicht.

    Auch danach bleibt die Überschusssteuerung noch ungefähr zwei Stunden deaktiviert. Damit bekommt das Batteriesystem ausreichend Zeit für die Ladephase bei hoher Zellspannung und den Zellenausgleich.

    Erst danach darf überschüssige Energie wieder automatisch in den Boiler fließen.

    Landstrom lässt sich genauso nutzen

    Das gleiche Prinzip funktioniert mit Landstrom.

    Zuerst wird die Batterie vollständig geladen. Anschließend kann der Boiler automatisch aufgeheizt werden.

    So wird ein Teil der verfügbaren Netzenergie als Warmwasser gespeichert. Gerade vor einer längeren autarken Standzeit kann das sinnvoll sein.

    Bei unserem Reisestil spielt Landstrom allerdings nur eine kleine Rolle.

    Das eigentliche Problem zeigt sich im Herbst

    Im Hochsommer passt ein elektrischer Boiler hervorragend zu einem großen Solarsystem. Viel Sonne bedeutet viel überschüssige Energie – und damit praktisch kostenloses Warmwasser.

    Das Problem ist die saisonale Verschiebung.

    Wenn es draußen warm ist und die Solaranlage besonders viel produziert, ist der Wunsch nach einer heißen Dusche eher gering.

    Wenn im Herbst dagegen kalter Wind um den Camper zieht und eine warme Dusche besonders angenehm wäre, sinkt gleichzeitig der Solarertrag deutlich.

    Dann konkurriert der Boiler plötzlich mit Kochen, Kühlschrank, Beleuchtung, Computern, Ladegeräten und den übrigen elektrischen Verbrauchern.

    Ein rein elektrischer Boiler wird dadurch schnell zu einem der größten vermeidbaren Energieverbraucher im Camper.

    Der Ladebooster fängt fehlende Solarenergie auf

    Wenn Solar nicht ausreicht, übernimmt bei uns während der Fahrt ein Victron Orion XS einen Teil der Energieversorgung.

    Er zieht bis zu etwa 50 Ampere aus dem 12-V-System des Fahrzeugs und lädt die 24-V-Aufbaubatterie mit ungefähr 25 Ampere beziehungsweise rund 600 bis 700 Watt.

    Das ist leistungsfähig – aber auch daran sieht man schnell die Größenordnung.

    Eine vollständige Boilerladung von rund 0,5 kWh entspricht bereits einem erheblichen Teil dessen, was der Ladebooster während einer Stunde Fahrt nachladen kann.

    Wenn zusätzlich der restliche Tagesverbrauch des Campers ausgeglichen werden muss, kommen schnell mehrere Stunden notwendige Fahrzeit zusammen.

    Heute würde ich Wärmequellen kombinieren

    Nach unseren bisherigen Erfahrungen würde ich bei einem neuen Ausbau wahrscheinlich einen Boiler wählen, der sich elektrisch und über eine zweite Wärmequelle betreiben lässt.

    Besonders sinnvoll finde ich die Kombination mit einer Warmluft- oder Wasserheizung.

    Der Grund ist einfach: Genau in der Jahreszeit mit wenig Solarenergie läuft die Standheizung ohnehin häufiger.

    Statt zusätzliche elektrische Energie aus der Batterie zu verbrauchen, kann ein Teil dieser Wärme auch für das Warmwasser genutzt werden.

    Eine ausführliche Diskussion verschiedener Systeme gibt es beispielsweise auch in der Folge „Warmes Wasser im Camper“ vom Camper-Werkstatt-Podcast.

    Warmwasser über den Motorkühlkreislauf

    Eine weitere interessante Möglichkeit ist ein Boiler mit Wärmetauscher im Kühlkreislauf des Motors.

    Wer ohnehin regelmäßig fährt, kann dadurch Wärme nutzen, die der Verbrennungsmotor während der Fahrt sowieso produziert.

    Nach der Fahrt steht dann heißes Wasser zur Verfügung, ohne dafür zusätzlich wertvolle Energie aus der Aufbaubatterie zu verbrauchen.

    Gerade bei größeren Warmwasserspeichern kann das interessant werden. Mit einem entsprechend aufgebauten Warmwassersystem ließen sich theoretisch sogar weitere Flächenheizungen wie eine kleine Fußbodenheizung integrieren.

    Mein Fazit zum elektrischen Boiler im Camper

    Ein elektrischer Boiler im Camper kann hervorragend funktionieren – vor allem bei einer großen Batterie, ausreichend Solarleistung und einer intelligenten Steuerung.

    Unsere PV-Überschussregelung mit Victron, Node-RED und Shelly funktioniert so gut, dass wir im Sommer häufig Warmwasser ausschließlich aus überschüssiger Sonnenenergie erzeugen.

    Trotzdem würde ich unser System heute anders planen.

    Der 9-Liter-Boiler ist für eine rein elektrische Erwärmung relativ groß. Rund eine halbe Kilowattstunde für eine vollständige Aufheizung klingt zunächst nicht dramatisch, summiert sich bei schlechtem Wetter aber schnell.

    Meine bevorzugte Lösung wäre deshalb heute ein hybrides Warmwassersystem:

    • elektrisch bei Solarüberschuss
    • über die Heizung in der kalten Jahreszeit
    • optional über Motorwärme während der Fahrt

    Damit wird jeweils die Energiequelle genutzt, die gerade sowieso verfügbar ist.

    Und genau das ist für mich inzwischen der wichtigste Punkt bei einem autarken Camper: Nicht möglichst viel Energie zu speichern, sondern vorhandene Energie möglichst sinnvoll zu nutzen.


    In einem eigenen Beitrag zeige ich noch detailliert, wie die Boilersteuerung mit Shelly, Victron Cerbo GX und Node-RED aufgebaut ist – inklusive Temperaturregelung, SOC-Grenzen und PV-Überschusslogik.